Psychologische Diagnostik

Eine psychologische Diagnostik erfasst immer nur den Stand (Status) seelischer Funktionen oder/und Konflikte bzw. Probleme zu einem Zeitpunkt.

Unter „seelischen Funktionen“ werden in dieser kurzen Erläuterung im Schwerpunkt: emotionale, psychosoziale, hirnorganische (in der Regel kognitive) Funktionen zusammengefasst.  

Eine psychologische Diagnostik erfolgt störungsspezifisch.

Eine psychologische Diagnostik ist immer individuell und anforderungsorientiert.

Als störungsspezifisch gilt nicht nur das Erleben des „eigenen seelischen Befindens“, sondern auch die damit verbundenen psychosozialen Anpassungsstörungen oder „Leistungsstörungen“ in Schule, Ausbildung und Studium, Beruf.

Das Ziel der psychologischen Diagnostik ist:

  • die Erfassung der möglichen Ursachen,
  • der Verlaufsbedingungen für eine Störung (unterhaltende eigene und äußere Einflüsse),
  • der Symptome selbst (Krankheitszeichen) und
  • der Folgen einer seelischen Störung für einen Menschen (Anpassungsstörungen).

 

A. Psychologische Diagnostik und Psychotherapie

Im ersten Schritt psychologischer Diagnostik im „Kassensetting“, in der sogenannten probatorischen Phase vor einer Psychotherapie, wird die Fragestellung geklärt, ob eine behandlungsrelevante Störung (Krankheitswert) vorliegt, denn nur diese wird von den Krankenversicherungsträgern alimentiert.

Psychologische Diagnostik kann Parameter seelischer Funktionen in Bezug zu Therapieanforderungen erfassen: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder/und die seelischen Funktionen trainierende Verfahren (Training kognitiver Funktionen, aber auch Entspannungsverfahren).

Psychologische Diagnostik klärt demzufolge in einem weiteren Schritt, welche therapeutischen Methoden zum Einsatz kommen sollen (Indikation einer therapeutischen Maßnahme). Diagnostiziert werden kann weiterhin der Verlauf einer Therapie, auch der „Erfolg“ einer Therapie.

 

B. Psychologische Diagnostik und Anforderungen, die lediglich zu einem schriftlichen Befund und nicht zwangsläufig zur Therapie führen müssen

Psychologische Diagnostik kann aber auch in Bezug auf andere Anforderungen erfolgen: zum Beispiel Beurteilung seelischer Folgeschäden (Funktionsschädigungen) nach Schädigung oder Krankheit des Gehirns, seelische Funktionsstörungen aufgrund der Erkrankung anderer körperlicher Systeme (zum Beispiel Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen). 

Aber auch Verhaltens- und Entwicklungsprobleme insbesondere bei Kindern und Jugendlichen: zum Beispiel Interaktions- und Kommunikationsprobleme in der Kita, Lernprobleme in der Schule und in der Berufsausbildung bzw. im Studium, individuelle Leistungsprobleme bei Erwachsenen in Bezug auf Arbeit können Gegenstand der psychologischen Diagnostik sein.

Weitere diagnostischen Anforderungen können „institutioneller Art“ sein: zum Beispiel im Kontext von Rente und Reha, Feststellung einer seelischen Behinderung bei Kindern und Jugendlichen (§ 35a SGB VIII), Eingliederungserfordernisse  (zum Beispiel Einzelfallhilfen, Schulbegleitung, berufliche Eingliederung), die Notwendigkeit von Hilfen zur Erziehung, oder Feststellungsverfahren zum GdB (Grad der Behinderung).      

 

C. Die Grundlagen jedweder psychologischen Diagnostik für eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und den weitern o.g. Anlässen bilden:

  • die Exploration (das erkundende Gespräch) der biographischen Entwicklung und der Problemlage (Vorstellungsanlass),
  • die Exploration der seelischen und/oder körperlichen Störungsentwicklung,
  • die Beobachtung des Verhaltens während der Exploration, oder anderen individuell „zugeschnittenen“ diagnostischen Methoden;
  • vielfältige Fragebögen in Bezug auf die Vorstellungsanlässe (Selbstbeurteilungsfragebögen, jedoch auch Fremdbeurteilungen zum Beispiel durch Eltern, Erzieher, Lehrer u.a. mögliche Kontaktpersonen);
  • computergestützte diagnostischen Methoden, insbesondere bei der Diagnostik kognitiver Funktionen.

Die Ergebnisse der Psychodiagnostik werden nach Abschluss mit den Patienten und im Anforderungsfall mit Bezugspersonen (Eltern) gemeinsam ausgewertet und ein ausführlicher Befund (oder/und der Antrag auf Psychotherapie) erstellt. 

 

Diagnostik Kinder und Jugendliche

 

  • Diagnostik störenden Verhaltens (externalisierende Störungen und deren Ursachen, wie zum Beispiel aggressives, oppositionelles, verweigerndes und herausforderndes Verhalten)
  • Diagnostik von internalisierenden Störungen, wie zum Beispiel Depression, Ängste, Zwänge; psychosomatische Störungen, wie Einnässen, Einkoten, Kopf- und Bauschmerzen ohne medizinischen bzw. körperlichen Befund, bzw. zur Abklärung von Ursachen)
  • Entwicklungsdiagnostik und Diagnostik schulischer Fertigkeiten und deren Störungen: Lese-Rechtschreibe-Störung, Dyskalkulie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung; Intelligenzniveau, Wahrnehmung, Motorik
  • Bindungs- und Systemdiagnostik (Familiendiagnostik)
  • Diagnostik der akuten Belastungsreaktion, der Posttraumatischen Belastungsstörung und ihrer Folgen
  • Begabungs- und Hochbegabungsdiagnostik

 

Diagnostik Erwachsene

 

  • Persönlichkeitsdiagnostik
  • Neurosendiagnostik
  • Diagnostik spezifischer Symptome: Ängste, Zwänge, Depressionen, Süchte, Veränderungen des Denkens, Erlebens und Wahrnehmens, sowie dem Ich- Bewusstsein
  • Diagnostik psychosomatischer Störungen (nach medizinischem Ausschluss körperlicher Ursachen oder zur Abklärung möglicher Ursachen)
  • Diagnostik der akuten Belastungsreaktion, der Posttraumatischen Belastungsstörung und ihrer Folgen
  • Diagnostik kognitiver Funktionen: Gedächtnis (visuelles, auditives, deklaratives und nicht deklaratives Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis), Aufmerksamkeit, Exekutive Funktionen, visuelle und auditive Wahrnehmung, Konzentration und Ausdauer, Intelligenzniveau, Motorik

  

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